Wir sind gemeinsam einsam und verloren im Wir

Wir sind gemeinsam einsam und wandeln entlang der Verzweiflung

Sind wir vielleicht nicht mehr als bloße Routine? Wir sind zwar zusammen und doch fühle ich, dass wir gemeinsam einsam sind. Gefangen in einem Kreislauf, aus dem wir auszubrechen, allein nicht in der Lage sind. Bitte verrate mir, was in Dir vorgeht und welche Gedanken Dich in der Nacht vom Schlaf abhalten. Ich merke, wie Du neben mir liegst und dennoch fern von uns bist. Auch ich flüchte mich bei jeder Gelegenheit in Gedanken, die uns wie in einem Spiegelkabinett, verzehrt und schleierhaft aufzeigen. Fragend sehe ich mich um und suche nach der Hand, die sich langsam entzieht. Du spürst es auch, das kann ich fühlen. Wir sind ein wandelndes Paradoxon, eine Kontroverse im Leben des anderen.

Sind wir lieber einsam und das gemeinsam, statt zu erkennen, dass es so nicht sein kann?

Wir haben lange gesucht und viel Zeit allein verbracht, aber bist Du jetzt wirklich glücklicher? Ich rekapituliere unseren gemeinsamen Weg und sehe uns straucheln und stolpern. Ich kenne eine Handvoll Gründe, um dieses Schauspiel fortzuführen. Jedoch kenne ich auch einen Saal voller applaudierender Hände, um uns einzugestehen, dass wir die letzten auf dem sinkenden Schiff sind. Kannst du mir verraten, warum wir diesen Kampf immer noch austragen? Wir haben es nicht erkannt, doch gab es für uns beide von Beginn einen Countdown. Wir sind gemeinsam einsam und hatten nie diese Zeit, in der wir wirklich zu zweit waren.

Statt abzuspringen, rasen wir lächelnd in unser Verderben


Stehen wir so tief in unserer Schuld, dass wir nicht anders können, als bis zum Ende eiskalt zu lächeln? Sind wir schon so geübt in unserer Koexistenz, dass wir uns damit abfinden, nicht geliebt zu werden? Du warst noch nie die Antwort und ich niemals der Anker, den du in stürmischen Zeiten gesucht hast. Streitereien enden in Verhandlungen, bei denen die Strafe ein weiteres Kapitel ist, in dem wir gemeinsam einsam sind.

Während ich Dich ansehe, bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich Dich wirklich kenne. Bist Du vielleicht nur ein verzweifelter Versuch und was siehst Du, wenn du mir in die Augen schaust? Wir sind erschöpft und während andere zusammen in die Sterne sehen, blicken wir nur in die Leere. Wir können nebeneinanderstehen und dennoch trennen uns Welten, zwischen denen ein Krieg tobt, der uns kräftezehrend in die Knie zwingt.

Wir spielen Komödie, obwohl unser Skript schon vom Auftakt her eine Tragödie versprach. Du kennst sie bestimmt… diese Momente, in denen wir uns gegenüberstehen und wie Kontraste den Glanz des anderen im Keim ersticken lassen. Ich weiß nicht, ob ich Dich liebe, Dich hasse oder Dich einfach nicht mehr ertragen kann. Ich weiß, Dir geht es genauso und frage mich, ob Du nicht auch wieder lachen willst, ohne dieses Schmierentheater spielen zu müssen. Denn wir sind vielleicht viel, aber vor allem sind wir gemeinsam einsam.

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