Warum ich schreibe und nicht aufhören kann

Schwer zu glauben, dass dieser der bisher schwerste Text ist, den ich jemals geschrieben habe. Es mag daran liegen, dass es mit der Ankündigung zusammenhängt oder vielleicht auch daran, dass es wirklich Real Talk ist. Die Erklärung, warum ich schreibe, sollte sich -so denkt man-, leicht aus dem Ärmel schütteln lassen. Doch alles was dabei rumkommt, ist ein verzweifelter Versuch.

Warum ich schreibe???
So muss mir niemand zuhören

Wer hätte gedacht, dass es überhaupt jemanden interessiert?

Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass ich mir diese Frage zuvor noch nie gestellt habe? Wieso sollte ich auch eine Sache hinterfragen, die für mich so natürlich wie Stuhlgang und Co. ist?

Wir sparen uns an der Stelle einfach den kompletten Anfang und springen direkt ein paar Jahre. Würdest du mich auf der Straße nach dem Grund fragen, müsstest du dir wohl Zeit nehmen. Geschichten aus der Kindheit, ein Sprung in die Gegenwart und dann wieder drei Jahre zurück, während wir uns im Hier und Jetzt befinden. Was hat das jetzt damit zu tun, warum ich mich im Endeffekt jeden Tag zum Schreiben hinsetze?

Ganz einfach, so gibt es einen kurzen Einblick in jede Menge Gedankenchaos und der einzigen Sache, die mir beim Sortieren hilft. Du denkst, ich habe ein riesiges soziales Umfeld und spreche gerne über Probleme und Downs? Fehlanzeige, denn wofür sollte ich die gut gewählten Menschen mit Negativität strapazieren, wenn es immer diese weiße Stelle auf dem Blatt gibt? Schreiben ist Selbsttherapie und noch viel mehr. Es ist für mich eine Form, um dem Alltag und dem ganzen Stress zu entfliehen. Schon einmal kompletter Herr der Lage gewesen? Genau dieses Gefühl ist es, wenn ich mich in dem Gedankenlabyrinth verliere und es schaffe, mit den einzelnen Fragmenten zu jonglieren.

Auch, wenn sonst alles zu entgleiten scheint, ist da diese Welt, in der ich einfach nur sein kann. Warum ich schreibe ist keine Frage des Warums, sondern eine Frage des Wozu.

Warum ich schreibe

Mit der Schreiberei andere erreichen

Schon vor Svensnville habe ich einzelne Gedankenfragmente aufgeschrieben. Ziel war immer nur das ewige Nirvana meiner Schubladen. Kennt ihr das, wenn man dann so Zeug Leuten zeigt und die einen animieren, mehr aus dem Firlefanz zu machen? Habe ich auch gemacht und nun haben wir den Salat und ich geh euch jetzt mit dem Kram auf den Sender.

Du liest immer noch und hast nicht genug? Na gut, dann kommen wir jetzt mal wirklich zum Eingemachten und durchleuchten die Frage, wozu und warum ich schreibe.

Ich könnte jetzt einen heroischen Spruch, wie “Alles für die Nachwelt“ raushausen, aber das wäre gemogelt. Was die Nachwelt angeht, ist es mir gleich, ob sie meinen Kram kennt. Was mir aber die Cap vom Kopf gerissen hat, ist die Gegenwart und die Menschen, die mein Firlefanz wirklich erreicht.

Theoretisch kann man den Blog wie die zensierte Art eines Tagesbuchs betrachten. Ich hätte niemals gedacht, dass ich damit tatsächlich Menschen erreiche und vor allem nicht, dass ich ihnen irgendwie helfe. Ich selbst sehe mich als hoffnungslos, bekomme aber Nachrichten, dass meine Texte Hoffnung geben und deshalb schreibe ich. Verrückte Welt…

Vielleicht könnte ich auch aufhören und es würde niemandem auffallen, aber muss es auch nicht. Was ich veröffentliche, sind vielleicht gar nicht die Texte, die mich wirklich beschäftigen. Vielleicht sind es auch nur die, von denen ich mich selbst am besten distanzieren kann. Immer wieder kommt die Frage auf, ob es in den Geschichten um mich geht. Spielt das wirklich eine Rolle, wenn sie inspirieren oder sogar da ansetzen, wo Gespräche keinen Weg finden?

Warum ich schreibe
Schreiben statt Bilder und warum immer texten?

Schreiben ist für mich eine besondere Art, um Erinnerungen festzuhalten. Das, was Bilder für mich nicht schaffen, können die Zeilen auch nach Wochen und Jahren noch wie an Tag X ausdrücken. Lese ich mir selbst einen Beitrag, wie “Ich lass Dich gehendurch, durchlebe ich die Situation noch einmal. Anschließend atme ich einmal auf und bin bereit für das nächste Kapitel. Für mich sind die Beiträge nicht nur kurze Geschichten, es sind Erinnerungen. Bruchteile von Momenten, die für andere unscheinbar, für mich jedoch prägend waren, was einer der Gründe ist, warum ich schreibe.

Es sind wirklich keine weltbewegenden Gründe, die hinter dem Schreiben und Svensnville stecken.
Doch es sind die Gründe, die mich ausmachen.

Ich kann nicht meditieren oder mich lange auf eine Sache konzentrieren, außer aufs Schreiben. Als würde in dem Moment alles andere verschwinden und es nur diese weiße Stelle und mich geben. Mit jedem Tastenschlag und jedem erscheinenden Buchstaben, verschwindet ein Teil des Chaos. Ich brauche kein Publikum, das applaudiert oder nach mehr schreit, denn das übernehmen schon die Tasten. Immerhin klingt es im Flow des Schreibens schon fast so, als würden die einzelnen Buchstaben der Tastatur klatschen.

Warum ich schreibe ist wahrscheinlich nicht so spektakulär, wie es sich einige vorgestellt haben. Es ist lediglich meine Art, um mit der Welt, den Menschen und der ständigen Reizüberflutung zurechtzukommen.

Wahrscheinlich könnte ich jetzt noch seitenweise die Leere der Blätter füllen und am Ende wüsstet ihr immer noch nicht, warum und weshalb ich den Firlefanz mache. Es sind Erinnerungen, die so zu jeder Sekunde wieder zum Leben erweckt und immer wieder erlebt werden können. Es beginnt eben alles mit dem ersten Buchstaben eines Kapitels und endet mit einem Punkt. Dazwischen nur Lückenfüller, die von Satzzeichen in Käfige gesperrt werden und nur auf den nächsten Ausbruch warten.

Weißt du jetzt, warum ich schreibe und damit so schnell nicht aufhöre? Wenn ja, dann sei gespannt auf die nächsten Kapitel und wenn nicht, dann geh ich dir dennoch damit auf den Sender.

Warum ich schreibe

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