Macht das Handy uns wirklich unabhängig?

Macht das Handy uns wirklich unabhängig?

Ohne Smartphone vor die Türe gehen? Dieser Gedanke erscheint in der heutigen Zeit schon eher abstrakt als „normal“. Wir fühlen uns dadurch schließlich unabhängiger, da wir immer und überall erreichbar sind. Welch herrliche Ironie…

Macht das Handy uns wirklich unabhängig?Quelle: Pixabay

 

Was vor ein paar Jahren noch undenkbar schien, ist heute der alltägliche Wahnsinn. Wir sind 24/7 und das 365 Tage im Jahr erreichbar. Sei es auf dem Klo, bei der Arbeit oder bei einem Date mit unserem Schwarm. Wir sind immer und überall greifbar und wenn wir es dann einmal nicht sind, spielen unsere Freunde Weltuntergang. Selbst unseren Alltag können wir bequem von der Couch oder einer Parkbank aus regeln und organisieren.
Durch die sozialen Netzwerke haben wir unsere Freunde -ob wir sie nun kennen oder nicht- in der Hosentasche und können alles -ob sie es nun wollen oder nicht- mit ihnen teilen. Wir können von unterwegs aus Geld verdienen und es vier Schritte später wieder ausgeben. Ständig den Blick auf den 5“ Display, sind wir eine Generation, die mit gesenktem Haupt durch die Welt läuft. Dabei denken wir jedoch, dass wir alles im Blick haben.

Unter dem Deckmantel der Unabhängigkeit hat sich das Handy in unser Leben geschlichen, aber macht das Handy uns wirklich unabhängig?

Ständige Erreichbarkeit

Macht das Handy uns wirklich unabhängig

Was wollen die denn alle von mir?

Es ist 06:34 Uhr, als das Handy auf dem Schreibtisch klingelt. Ich habe gestern Abend wohl vergessen, es auf lautlos zu stellen. Es ist der erste freie Tag seit zwei Wochen und keiner meiner Freunde würde mich um diese unchristliche Zeit anrufen. Nach ein paar Sekunden ist es wieder ruhig. >Schlafen hat sich dann wohl erledigt.<, denke ich mir und stehe auf.

Nach einem Moment Stille klingelt es erneut. Wieder die Nummer der Arbeit. Ich geh ran. Es ist mein Chef, der mir in einem halben Tobsuchtsanfall erklärt, dass drei Kollegen ausgefallen sind.
Auf dem Weg ins Büro -obwohl ich heute frei habe- wird die Musik in meinen Ohren durch eine Reihe von grellen Tönen unterbrochen. In der Arbeit angekommen, springt mir bei einem Blick auf das Handy ein Feuerwerk an Farben entgegen. Pushnachrichten in Hülle und Fülle. Von News über E-Mails bis hin zu Messengern leuchtet alles, was nur leuchten kann. Das Display überfüllt von Anzeigen. Anfragen zu Projekten, neue Angebote in meinem Lieblings-Online-Shop und Nachrichten von einer Freundin. Sie schreibt über ein ernstes Thema, welches zeitaufwendig ist. Zeit habe ich aber nun leider nicht, also landet das Smartphone in der Schublade. Mein Chef tanzt auf den Tischen, als er mich an meinem Platz sieht. Kaffee, Musik im Ohr und keinerlei Ablenkung.

Nach fünf Stunden ist es dann geschafft. Der Auftrag ist fertig, die Dokumentation geschrieben und mein Vorgesetzter hat wieder einen ruhigen Puls. Mein Handy muss währenddessen in der Schublade schon fast explodiert sein. Noch mehr Farben und vom Hintergrundbild ist durch die ganzen Benachrichtigungen nichts mehr zu erkennen. Ich beantworte die Nachrichten, rufe die Freundin von heute Morgen an und schon ist mein freier Tag nicht mehr so frei, wie ich es mir gestern Abend vorgestellt habe.

Zum wiederholten Male stelle ich mir die Frage: „Macht das Handy uns wirklich unabhängig?“

Warum antwortet sie denn nicht?

Verzweifelt schaue ich das Display

Vor ein paar Tagen habe ich sie getroffen. Eine wunderschöne Frau, dessen Haar wie gemalt auf ihren Schultern lag und ihre Augen, die mich einen Moment alles andere vergessen ließen. Es war in einer Bar, doch auch die Szenerie schien bedeutungslos in ihrem Antlitz. Nachdem ich ein Telefonat über ein aktuelles Projekt führte, welches sie anscheinend mitbekommen hatte, sprach sie mich an. Wir unterhielten uns über ihre und meine Arbeit, stellten Gemeinsamkeiten fest und verbrachten einen schönen Abend und eine noch schönere Nacht. Als wir uns am nächsten Morgen vor der Stadthalle -wir zogen die ganze Nacht durch die Straßen und unterhielten uns angeregt- verabschiedeten, gab sie mir ihre Nummer.

Ich wollte nicht sofort schreiben, also ließ ich mir den halben Tag Zeit. Ich bedankte mich am Nachmittag und schrieb, dass ich es gerne wiederholen würde. Nur wenige Minuten später die blauen Haken hinter der Nachricht. Sie hat sie gelesen. Jackpot, sie schreibt bestimmt gleich zurück, doch plötzlich steht unter ihrem Namen nicht mehr online. Sie hat die Nachricht gelesen, nicht geantwortet und ist wieder offline gegangen.

Seitdem sind zwei Tage vergangen. Ich habe mein Handy ständig bei mir, schließlich könnte sie mir ja jederzeit schreiben. Oft sehe ich ein Feuerwerk von Pushnachrichten und bin voller Hoffnung, doch dann ist die erhoffte Nachricht nicht dabei und ich bin deprimiert. Ich kann mich kaum noch konzentrieren, weil ich immer auf mein Smartphone schaue. Mein Handy ist mein ständiger Begleiter und ich stelle mir die Frage: „Macht das Handy uns wirklich unabhängig?“.

Die Ironie der Unabhängigkeit

Zumindest habe ich durch das Handy das Gefühl von Unabhängigkeit

In den letzten Jahren haben wir das Handy so in unser Leben integriert, dass es nicht mehr wegzudenken ist. Wir können uns nicht mehr wirklich vorstellen, es einfach mal zu Hause zu lassen und uns nur auf uns und unser Umfeld zu konzentrieren, schließlich könnten wir ja etwas in der digitalen Welt verpassen. Ist es unabhängig, wenn ein Geschäftsmann die ganze Zeit an seinem Hany hängt, damit die Geschäfte auch wirklich laufen? Kann man es Unabhängigkeit nennen, wenn wir den ganzen Tag damit beschäftigt sind auf unser Handy zu starren und auf irgendwelche Nachrichten zu warten? Wir machen uns in unserem Alltag von so vielen Dingen abhängig, die in der heutigen Zeit fast alle über unser Smartphone ablaufen. Somit kommen wir wieder zu der Frage: „Macht das Handy uns wirklich unabhängig?“.

 

 

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