Hallo liebes Leben

Liebstes Leben

Just in dem Moment, wo ich das hier schreibe, stelle ich mir vor, wie wir beide an einem Tisch sitzen und gemeinsam die Flasche Rum leeren.

Wir beide haben mittlerweile 32 Jahre hinter uns und hatten schon so viele Höhen und Tiefen, dass ich schon lange aufgehört habe, diese zu zählen. Du und ich sind nicht immer -ehrlich gesagt, fast nie- einer Meinung und haben oft Differenzen. Du verlangst Anpassung und Veränderung, ich bin jedoch noch nicht so weit und auch nicht bereit, diesen Forderungen deinerseits nachzukommen. Hin und wieder kommt mir dann der Gedanke, du seist nur eine Farce und meine Existenz nicht mehr als eine Erheiterung für eine höhere Macht. Ich werde dir niemals vis-á-vis sagen können was ich denke oder mit dir auf die Höhepunkte anstoßen können, die wir schließlich ab und an auch haben.

Ich stand schon oft vor einem Scheideweg, an den du -mein liebstes Leben- mich gebracht und mich dann alleine im Regen stehen lassen hast. Welche Entscheidungen ich auch getroffen habe, du zeigtest mir oft nur die negativen Konsequenzen auf. Da ich mich jedoch nicht einfach von dir trennen kann -denn ich liebe dich-, befinden wir uns -wie einer Schleife gefangen- in einer Zwickmühle.

Warum?

Was habe ich dir denn getan?

Ich bin mir darüber im Klaren, dass nicht du mich, sondern ich dich bestimme.
Aber warum machst du es mir nur immer wieder so schwer?

Immer wenn ich denke, dass ich eines der Hindernisse auf meinem Weg überwunden habe, kommst du um die Ecke und stellst mir eiskalt die nächste Hürde vor die Füße. Wenn das wirklich alles Prüfungen sein sollen, dann hätte ich gerne mal eine prüfungsfreie Phase. Ich muss immerhin auch mal die erlenten Dinge und die Erfahrungen verarbeiten.
Ebenso ist es mit den vielen Menschen, die du mir auf meinem Weg sendest. Das mag deinerseits vielleicht nett gemeint sein, aber können wir das für eine Zeit lassen? Ich versuche mich gerade auf dich einzulassen und einen gemeinsamen Nenner zu finden, da kann ich keine Ablenkung gebrauchen.

Du versucht mir aber nicht nur zu geben, sondern hast mir in der Vergangenheit auch schon so viel genommen, dass ich finde, wir haben uns wirklich eine Pause verdient.

Jedoch bin ich dir auch dankbar

Schließlich habe ich durch dich viel gelernt

Auch wenn die Hindernisse und die Hürden mir schon echt auf die Nerven gehen, so bin ich dir zutiefst dankbar. Immerhin habe ich mich durch meinen Weg und durch den ganzen Firlefanz zu dem Menschen entwickelt, der heute hier sitzt und gerne mit dir anstoßen würde.

Ich habe Erfahrungen gemacht und Dinge gesehen, die mich geprägt haben. Du hast mich oft in die Knie gezwungen, jedoch gab es immer einen Weg, wieder auf die Beine zu kommen. Ich bin dir für jeden schönen Moment dankbar und ebenso auch für die nicht so schönen Augenblicke. Dankbar dafür, dass du mir meine Fähigkeiten nicht verweigerst, auch wenn ich uns damit manchmal im Weg stehe.

Ich danke dir über alle Maßen liebstes Leben, dass ich so geworden bin, wie ich eben bin. Ich hege daher keinen Gräuel gegen dich oder verfluche dich heimlich, sondern bin froh um dich.

Es geht schließlich weiter

So werden wir hoffentlich noch einen langen Weg haben

Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind und oft unterschiedliche Wege gehen möchten, so harmonieren wir doch ganz gut zusammen.

Nach all den Abzweigungen, Höhen und Tiefen, die wir beide gemeinsam erlebt haben, bilden wir doch ein recht akzeptales Team. Ich weiß zwar noch nicht, was du so im weiteren Verlauf für mich bereithalten wirst, dennoch freue ich mich auf die Zukunft und finde, es ist an der Zeit, die alten Dinge hinter uns zu lassen.

Liebstes Leben, wir beide kommen eh nicht lebend aus der ganzen Sache raus und sollten daher unseren restlichen Weg lieber genießen, statt den Pfad in ein Schlachtfeld zu verwandeln. So hoffe ich inständig, dass wir auch weiterhin trotz unserer unterschiedlichen Ansichten und Differenzen immer wieder zueinander finden werden.

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