Fernweh

Fernweh und die Gedanken

Fernweh und die Reise

Ich sitze oft an meinem Schreibtisch und schwelge in Gedanken, die in die Ferne schweifen. In solchen Momenten verschwindet alles um mich herum und ich fühle mich gänzlich frei. Ich mag mein Leben und dennoch liebe ich diese Gedankenreisen, in denen ich die Ketten des Seins einfach abstreife und einfach fliehen kann. Sei es beim Schreiben oder beim Lesen. Unverständlich für viele andere und doch so eindeutig für mich. Ich entdecke dabei Orte, die ich noch nie gesehen habe, rieche Düfte, die mir bis dahin fremd waren und sehe Menschen, von denen ich nicht wusste, dass sie existieren. Es sind diese Momente voller Fernweh, die mein Leben in diesen Augenblicken bestimmen.
Um mich herum verschwindet alles und mein Körper scheint nur eine Hülle voller Leere zu sein. Ich bin plötzlich in London oder an einem Strand mit azurblauen Meer und weissen Strand.

Fernweh London

Fernweh beim Schreiben

Auf dem Monitor ist ein weisses Blatt und lädt mich zu einer Reise ein, die nur wenige verstehen können. Für sie klingt es albern und kindisch, wenn ich sage, dass ich diese Reisen liebe und den ganzen Tag mit ihnen verbringen könnte. Dass der Lärm der Straße mich nicht mehr erreicht und ich einfach sein kann, wer ich bin. Ein Tagträumer und ein Freigeist. Ich brauche diese Momente, damit ich in der Realität zurecht komme und nicht resigniere. Eine Zeit lang habe ich wenig geschrieben und mich vollkommen auf das Leben konzentriert, jedoch habe ich mich in dieser Zeit mehr verloren als je zuvor. Das Gefühl von Fernweh hat ich ständig begleitet und bei jeder Gelegenheit daran erinnert, dass es ich es brauche. Meine eigene Geschichte zu schreiben und einfach zu sein.
Nur die wenigsten Menschen, die bislang getroffen habe, können diese Gedanken auch nur ein Stück weit nachvollziehen. Wenn der Klang der Tastenschläge zu einer Meldodie wird, die mir wie ein Mentronom den Takt des Lebens vorgibt und mich komplett erfüllt. Durch das Schreiben kann ich für mich die Sonne scheinen lassen, auch wenn es draußen stürmt, ich kann sein wo ich will und wer ich will. Ich bin in diesen Momenten nicht Sven, der im Alltag gefangen ist und dem Determinismus des Lebens unterliegt. Ich bin der Schreiberling, der ich schon immer war und der – wenn auch nur für sich – so vieles erreicht. Es ist wie eine Art Therapie, die mir keiner verschreiben kann und dir mir als einzige wirklich hilft.

Fernweh beim Lesen

Ähnlich wie beim Schreiben kann ich beim Lesen einfach von hier fliehen. Wenn ich ein Buch lese, verschwinde ich schon nach wenigen Zeilen in eine andere Welt. Zwischen den Zeilen sind Wege, auf denen ich wandere und die mich alles andere vergessen lassen. In meinem Kopf entstehen nicht nur Bilder, sondern ein ganzer Film, der mich das Buch komplett erleben lässt. Ich finde mich in verschiedenen Geschichten wieder und bin direkt im Geschehen dabei. Ich leide mit den Protagonisten und erlebe auch die Höhepunkte mit ihnen. Es ist als würde der Schriftsteller nicht nur ein Buch schreiben, sonder damit eine Tür öffnen, eine Tür, die ich jederzeit bereit bin zu öffnen.

Fernweh und das Lesen

Tagträumer und Freigeist

Ich glaube nur wenige verstehen mich und meine Einstellung. Was mich aber nicht davon abhält, zu sein, wie ich bin. Ich verurteile niemanden dafür, wenn er keine Bücher mag oder die Intention des Schreibens nicht nachvollziehen kann. Denn schließlich soll jeder sein Leben so gestalten, wie er oder sie es für richtigt hält. Jedoch möchte ich auch nicht verurteilt werden, nur weil ich mich in Büchern und dem Schreiben „verstecke“.
Es hat nichts mit Depressionen oder sonst etwas zu tun, sondern ist einfach meine Art und Weise zu leben. Andere gehen gerne feiern oder sitzen mit Freunden zusammen und reden – was ich auch mache, nur nicht so oft und nur dann, wenn ich es für richtig halte – und wieder andere sind eben wie ich…

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