Es wird Zeit-Zeit für Veränderung

Zeit für Veränderung

Als ich meine Augen öffne, finde ich mich an einem Bahnhof wieder, der mir unbekannt erscheint. Ich bin hier noch nie gewesen und fühle mich irgendwie verloren. Die unzähligen Gleise weisen keinerlei Nummerierungen auf und auch die Suche nach einem Fahrplan bleibt vergeben. Es herrscht eine ohrenbetäubende Stille und die Leere füllt den Bahnhof gänzlich aus. Die vielen Uhren, die an den Bahnsteigen hängen, zeigen alle eine andere Zeit und ein Blick auf meine Uhr lässt mich aufschrecken. Die Zeiger rennen über das Ziffernblatt, als wäre der Teufel persönlich hinter ihnen her. Der Blick auf meine Uhr kommt mir wie eine gefühlte Ewigkeit vor, obwohl es wahrscheinlich nur ein paar Sekunden waren.

Plötzlich wird die Stille durch Lärm verdrängt und als ich meine Augen wieder nach vorne richte, kann ich ihnen nicht glauben. Die noch eben herrschende Leere wurde durch eine Menschenmasse abgelöst, welche just in diesem Moment auf mich zukommt. Noch bevor ich die Situation wirklich begreifen kann, bin ich von einer Herde Menschen umgeben, die sich alle drängeln und schubsen, während sie komplett identisch gekleidet sind. Sie starren auf ihre Uhren, die wahrscheinlich ebenso wie meine einen Marathon laufen und folgen ihnen anscheinend blind.

Auf einmal fahren von einer Sekunde auf die andere Züge ein und die Menschenmasse verschwindet in ihnen. Doch sobald diese verschwunden ist, taucht aus dem Nichts wieder eine neue auf. So finde ich mich schon nach einem Bruchteil einer Sekunde in einer Menschenmasse wieder, die mich auf den Boden wirft. Als ich versuche aufzustehen, sehe ich in einiger Entfernung einen Jungen zusammengekauert auf dem Boden liegen. Die Masse hingegen schenkt ihm keinerlei Beachtung und trampelt ihn dabei fast nieder.

Es wird Zeit

Nachdem ich wieder aufgestanden bin, versuche ich gegen den Strom zu dem Jungen zu gelangen, was nur ein Versuch bleibt, da ich wieder zu Boden geworfen werde. Ich komme nicht einen Schritt voran und kann nur mit ansehen, wie die anderen an mir vorbeilaufen. Dennoch will ich es irgendwie schaffen, zu ihm zu gelangen und merke, dass es Zeit für Veränderung wird. Ich überdenke meine Vorgehensweise und warte, bis die Herde wieder in den Zügen verschwindet. Ich nutze den Bruchteil eines Momentes und sprinte los. Als ich tatsächlich ein Stück nach vorne gekommen bin, stehe ich wieder inmitten dieser bewegten Einheit und werde wieder niedergeworfen. Auf dem Boden liegend muss ich dieses Mal schmunzeln und bin fest entschlossen, dass ich nicht aufgeben werde.

Nach ein paar weiteren dieser Anläufe und einer gefühlten Ewigkeit später, bin ich bei dem Jungen angekommen. Auch mir gegenüber wirkt er verängstigt und eingeschüchtert. Als ich ihm meine Hand hinhalte, zuckt er zusammen, zögert einen Augenblick und just in dem Moment, wo er nach ihr greift, werden wir gemeinsam zu Boden geworfen. Nachdem wir aufgestanden sind, gelingt es uns, in einer kleinen Nische zu verschwinden. Auf meine Frage hin, wo wir uns hier befinden, fängt er an zu berichten.

Veränderung fängt in uns an

Er erzählt mir meine Geschichte

Er erzählt mir, dass wir uns am Bahnhof der Zeit befänden und sich hier alles abspiele. Zeit spiele hier zwar objektiv keine Rolle, wie man an den Uhren erkennen könne und dennoch jage sie jeden dieser Menschen. Daher schaue auch jeder nur auf seine Uhr und nähme alles andere nicht wahr. Die Züge fahren zwar im Sekundentakt in den Bahnhof ein, jedoch wolle jeder nur so schnell wie möglich an sein Ziel, ohne Rücksicht auf Verluste.
Als ich ihn frage, warum er nicht wie die anderen sei, schaut er ratlos, fast verzweifelt auf den Boden.

Er fährt fort, dass er nie wie die anderen sein wollte und somit einen Kampf gegen die Zeit begann. Auch er hätte Ziele gehabt, jedoch nicht das Bedürfnis, diese sofort und auf der Stelle zu erreichen. Er dachte die Zeit wäre nicht sein Gegner gewesen, sondern sein Freund, womit er sich anscheinend täuschte. So verlief er sich in diesem Bahnhof und fand sich irgendwann inmitten dieses Szenarios wieder, in dem er immer wieder zu Boden geworfen wurde. Das Leben ließe ihn seither keinen Schritt in irgendeine Himmelsrichtung wagen. Auch wenn ihm bewusst sei, dass die Zeit für Veränderung schon längst gekommen war, habe er schon zuvor resigniert.

Dann schaut er mich wieder mit großen Augen an. Er fragt, wie ich es denn geschafft habe, der Masse und den hier herrschenden Regeln zu trotzen. Ich erkläre ihm, dass ich das Ziel einfach nicht aus den Augen verloren habe und merkte, dass der eine Weg nicht funktionierte und ich so etwas ändern musste. Ich habe nur nicht aufgegeben.

Von leicht war schließlich nie die Rede

-Wir hatten schon keine Wahl auf diese Welt zu kommen oder nicht, aber es liegt in unserer Hand, was wir aus dem ganzen Firlefanz hier machen.-

Niemand hat irgendwann ein Wort darüber verloren, dass das Leben leicht sei oder wir uns einfach nur zurücklehnen und die Show genießen könnten. Es ist voller Höhen und Tiefen, voll mit Niederschlägen und Erfolgen, gespickt mit Wechselbädern der Gefühle.

Davon, dass es einfach wird und das Leben ein Zuckerschlecken sei, war nie die Rede. Ganz im Gegenteil, es ist oft eine Folter und stellt uns fast täglich auf die Probe. Was wir aber daraus machen, liegt alleine bei uns. Natürlich, es ist voller Enttäuschungen, Erfahrungen, Schmerzen und Glücksgefühlen, wie wir aber mit ihnen umgehen, entscheiden nur wir. Wir haben mehrere Möglichkeiten, wenn sich auf unserem Weg ein Hindernis befindet. Wir können den Kopf in den Sand stecken und aufgeben oder eben alles daran setzen, aus dem Hindernis etwas zu machen.

Wir wünschen uns so oft Veränderungen herbei und wissen auch, dass es Zeit für sie ist. Jedoch erwarten wir einfach, dass sich die Situation oder das Szenario von jetzt auf gleich ändert, schließlich haben wir ja alle keine Zeit. Davon dass es zuerst Zeit für Veränderung in uns selbst ist, will niemand etwas wissen oder kaum einer will es akzeptieren. Dabei müssen wir erst einmal mit der Veränderung in uns selbst beginnen und akzeptieren, dass diese nicht von jetzt auf gleich geschieht, sondern ein Prozess ist, der Zeit benötigt. Wenn wir uns diese nehmen und das Ziel dabei nicht aus den Augen verlieren, dann können wir es auch schaffen, aus einem Hindernis eine Brücke zu bauen.

Noch während ich rede, schaut der Junge nachdenklich auf den Boden und anschließend wieder zu mir. Aus seinem nachdenklichen Gesicht, wird ein mit einem Lächeln verziertes Kindergesicht.

Der Junge wendet sich mit einem Lächeln von mir ab und geht gen der Masse von Menschen. Aber dieses Mal wird er nicht von der Herde zu Boden geworfen, sondern geht gehobenen Hauptes durch sie hindurch, als wären sie nicht mehr existent. Er hat begriffen, dass Veränderung eine Bedingung ist, damit ein Ziel überwunden und das Ziel erreicht werden kann.

-Es wurde Zeit für Veränderung-

Als ich meine Augen schließe und sie anschließend wieder öffne, stehe ich wieder auf einer Lichtung, auf der zuvor noch ein großer Stein den Weg versperrte. Dieser ist jedoch verschwunden und am Ende des Pfades kann ich ein Licht erkennen, welches mir zuvor verborgen blieb. Ich kann meinen Weg also nun fortsetzen…

Veränderung-Es ist Zeit

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