Brief an die Liebe

Brief an die Liebe - Liebste Liebe

Wir hatten Höhen und Tiefen

Ich schrieb dir schon unzählige Briefe, von denen jedoch nicht einer auch nur im Ansatz die Kante meines Schreibtisches erreichte, ohne vorher zerknüllt und deformiert worden zu sein. Eben die Formen, mit denen ich eine lange Zeit auch meinen Bezug zu dir beschrieben hätte. Ich lag nächtelang wach und fragte mich, warum wir bis dahin keinen gemeinsamen Weg finden konnten. Selbst mein Glaube an dich geriet ins Schwanken und aus Hoffnung wurde Resignation. Ein Brief an die Liebe nach dem nächsten zerknüllten Stück Papier verließ den Schreibtisch. Das Ziel – der Papierkorb… ebenso unser scheinbar gemeinsames Ziel.

Ich kämpfte damit, nicht auch noch den letzten Funken zu verlieren, der irgendwo noch tief in mir loderte. Mein Wunsch war es, diesen wieder zu entfachen, selbst wenn ich mich dafür verbrennen würde. Rückblickend kann ich nicht sagen, ob ich an dieser Stelle hätte umdrehen und den Weg lieber zurückgehen sollen. Immerhin sitze ich auch heute hier und schreibe einen Brief, der dich vielleicht niemals erreichen wird. Einen Brief an die Liebe, den ich auch wenn ich wollte, niemals absenden könnte. Schließlich wüsste ich nicht an wen.

-Es war einfach nicht die richtige Zeit-

Wir sind uns schon oft begegnet und sind auch den Weg im Leben immer wieder ein Stück zusammen gegangen. Jedoch waren es immer nur Teile des Weges, die sich bei der nächsten Gabelung in einen Scheideweg verwandelten. Mal zögerten wir bis wir einander den Rücken kehrten und mal ging es schneller vorbei als der gemeinsame Weg. Vielleicht war es einfach nicht die richtige Zeit und eventuell der falsche Ort. Wahrscheinlich hätten wir auch einen Mittelweg gefunden, wenn wir nicht beide so engstirnig gewesen wären. Nun bleibt nur der Brief an die Liebe, den ich noch verfassen kann. Vielleicht treffen wir uns an einem anderen Tag an einem anderen Ort wieder und wer weiß, vielleicht wird in diesem Moment alles stimmen und wir finden gemeinsam einen Schleichweg, der uns -auch wenn es viele Umwege kostet- ans Ziel bringt. Auch wenn es vielleicht manchmal so scheint, habe ich noch immer die Hoffnung irgendwo verborgen. Vielleicht ist es mir nur nicht möglich, diese zu zeigen, weil sie zum Schutz so tief vergraben wurde, dass ihr Standort seither nunmehr in Vergessenheit geraten ist.   

-Eines Tages werde ich dich erreichen-

Auch wenn wir uns in all den Jahren immer nur für ein kurzes Comeback getroffen haben und uns anschließend wieder mit einer Verbeugung verabschiedeten, gebe ich nicht auf. Ich gebe nicht auf und werde weiter daran glauben, dass wir uns irgendwann wieder begegnen und dann die Rolle unseres Lebens spielen. Eine Geschichte, für die ein Buch nicht ausreichen wird, um die zahlreichen Erinnerungen und Briefe festhalten zu können. Jeden Tag schaue ich auf meinen Kalender und bin versucht ihn anzukreuzen, schließlich könnte es der Tag sein, an dem sich alles ändert.

Bis dahin bewahre ich diesen Brief an die Liebe auf, um ihn dir eines Tages überreichen zu können.

Svensnville, 28.01.2020